II. Dunraven


Ein Ritt mit meiner Reitpartnerin Amanda an einem kalten, regnerischen Tag im August 1999 inspirierte mich zu diesem Satz. Am Anfang nieselte es, aber aus dem Regen wurde bald Schnee, als wir in höher gelegenes Gelände kamen. Wir ritten einen Pfad entlang, der die nördliche Grenze zwischen dem Yellowstone Nationalpark und dem Gallatin Nationalforst überquert. Pfade außerhalb des Nationalparks werden nicht annähernd so gut instand gehalten wie jene im Nationalpark, und so ritten wir an dem Pfad, der wieder in den Nationalpark zurückführt und durch umgestürzte Bäume verdeckt war, vorbei. Bevor wir aber bemerkten, dass wir von unserem Pfad abgekommen waren, überquerten wir einen hohen Pass, der unter den Hufen unserer Pferde steil abfiel. Wir konnten nicht umkehren.

Bis ca. 8 Uhr abends ritten wir weiter durch den Schnee, als wir die Buffalo Mirror Plateau Hütte für Parkaufseher erreichten. Wir waren erleichtert, aber auch der Verzweiflung nahe. Erleichtert, weil wir endlich wussten, wo wir waren, und verzweifelt, da uns klar war, wie weit wir uns von der Zivilisation entfernt hatten. Wir brachen sofort in Gelächter aus, als wir die Hütte sahen - wir waren ein paar Wochen zuvor dort gewesen und hatten festgestellt, dass man leider Pech hatte, wenn man in der Hütte Schutz suchen wollte, da sie mit Gitter und Stacheldraht so verbarrikadiert war wie Fort Knox. Es versteht sich von selbst, dass wir die Nacht dort nicht verbringen konnten.

Wir ritten weiter durch die Nacht, bis wir gegen 2.30 Uhr morgens Slough Creek erreichten. Uns war kalt, und wir waren durchnässt und müde, aber die Parkaufseherstation war nicht besetzt. Wir waren uns einig, dass unsere Ponys keinen Schritt mehr gehen konnten. Nach dem Absatteln sahen wir auf dem Parkplatz einen Pferdeanhänger, in den wir kletterten. Er war ziemlich sauber, aber wir waren bis auf die Knochen durchfroren, und wir konnten kaum schlafen. Als der Morgen endlich anbrach, bemerkten wir, dass der Anhänger doch nicht ganz so rein war, wie wir angenommen hatten. Mit unseren mit Pferdemist beschmutzten Kleidern machten wir uns auf den Weg zurück zu unserem Fahrzeug.

Ich benannte diesen Satz zu Ehren von Anne-Sophie Mutter und ihrer berühmten Violine Lord Dunraven. Zu diesem Satz inspiriert wurde ich aber durch einen Augenblick während dieses Ritts, den ich nie vergessen werde. Dieses Bild hat sich bei mir für immer eingeprägt. Während des nächtlichen Ritts blickte ich einmal zum Himmel empor. Das Firmament war zweigeteilt, in eine dunkle, bedrohliche, und eine mit Sternen übersäte Hälfte, wie sie nur in freier Natur zu sehen ist. Weit im Süden waren im Schneetreiben Autos zu erkennen, die den Dunraven Pass überquerten, wobei die Scheinwerfer zu einem Lichtstrahl verschmolzen, der sich den Mount Washburn hinunterschlängelte. Im Osten ging über Slough Creek der Vollmond auf, und vor dem Mond war die Silhouette von Amanda, umgeben von Schneeflocken, zu sehen.

Übersetzung von Reinhard Rauch

Auszüge aus jedem Satz (MP3)

Yellowstone | Dunraven | Hoodoos

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